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(2) 02:18 Min. - Umgang mit aktueller Forschung - Wagner(x)

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(17) 33:43 Min. - Prof. Steinberg und NGO Monitor (x)

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(21) 45:02 Min. - Hamas und EU-Hilfen

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(23) 48:30 Min. - Bedeins Vorwürfe gegen UNRWA

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(29) 01:20:32 Std. - Angriff auf Synagogen in Sarcelles

Differenzen Dokumentation WDR-Bild

Fundstellen in der Dokumentation


Beispiele einseitiger Berichterstattung

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aktuelle_forschung

2 - 02:18 Min. – Umgang mit aktueller Forschung


Quelle: WDR

Filmtext:

Antisemitismus bei Philosophen und Schriftstellern … Voltaire, Hegel, Kant, Rousseau, Diderot, Moliere, Shakespeare, Heidegger, um nur einige zu nennen. Selbst Goethe war gegen die Ehe zwischen Christen und Juden.

Richard Wagner argumentierte in seiner Schrift bereits offen rassistisch. Er gehörte zu den prominenten Vertretern der neueren rassistischen Hetzliteratur des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Unzählige Pamphlete heute meist vergessener Autoren beschäftigen sich ausschließlich mit der sogenannten Judenfrage. Besonders in Deutschland, aber auch in Frankreich, England und anderswo.

Anmerkung dazu:

Die angerissene historische Entwicklung des Antisemitismus im Neuen Testament, in Schriften von Martin Luther, Molière, Richard Wagner und anderen lässt den jeweiligen historischen Kontext völlig außer Acht und ignoriert Forschungsergebnisse, etwa zum Antisemitismus Richard Wagners, der in der neueren Forschung nun gerade als nicht rassistisch bewertet wird, sondern vielmehr die „Erlösungsidee“ Wagners gegen den damals formulierten Rassegedanken einordnet.

Dazu gibt es eine Vielzahl von Forschungsliteratur; z.B. Dieter Borchmeyer: Wagner, Nietzsche und das Judentum, In: Jutta Georg, Renate Reschke (Hrsg.): Nietzsche und Wagner. Perspektiven ihrer Auseinandersetzung, Berlin 2016, S. 220.


Transkript

Übereinstimmend (Faktencheck, WDR-Fassung, Bild-Fassung).


Audiatur online

Audiatur online schreibt hierzu unter https://www.audiatur-online.ch/2017/06/22/der-wdr-faktencheck-zur-antisemitismus-doku-im-faktencheck/

Die angerissene historische Entwicklung des Antisemitismus im Neuen Testament, in Schriften von Martin Luther, Molière, Richard Wagner und anderen lässt den jeweiligen historischen Kontext völlig ausser Acht und ignoriert Forschungsergebnisse, etwa zum Antisemitismus Richard Wagners, der in der neueren Forschung nun gerade als nicht rassistisch bewertet wird, sondern vielmehr die „Erlösungsidee“ Wagners gegen den damals formulierten Rassegedanken einordnet.

Der historische Kontext spielt für die Beurteilung, ob jemand Antisemit war oder nicht, keine Rolle. Wer Richard Wagner vom Antisemitismus freisprechen möchte, weil dieser „nicht rassistisch“ war, hat grundlegende Funktionsweisen des Antisemitismus nicht verstanden: Er ist ein Unterlegenheitsgefühl, das Juden eine unbändige Macht zuschreibt und sie als überlegen halluziniert.


Beurteilung

Antisemitismus und historischer Kontext

Der WDR geht zunächst auf den ersten zitierten Absatz ein:

„Antisemitismus bei Philosophen und Schriftstellern … Voltaire, Hegel, Kant, Rousseau, Diderot, Moliere, Shakespeare, Heidegger, um nur einige zu nennen. Selbst Goethe war gegen die Ehe zwischen Christen und Juden.“

und erklärt dazu: „Die angerissene historische Entwicklung des Antisemitismus im Neuen Testament, in Schriften von Martin Luther, Molière, Richard Wagner und anderen lässt den jeweiligen historischen Kontext völlig außer Acht und ignoriert Forschungsergebnisse…“

Zunächst ist im angeführten Film-Zitat keine Rede vom Neuen Testament und von Martin Luther. Der WDR argumentiert dass bei den kurz angerissenen antisemitischen Schriften der historische Kontext berücksichtigt werden müsse. Der historische Kontext entscheidet also darüber, ob eine antisemitische Schrift auch de facto antisemitisch genannt werden könne. Selbst die Wikipedia weiß hierzu [2]:

„Judenfeindlichkeit (auch Judenhass, Judenfeindschaft, gegebenenfalls Judenverfolgung) bezeichnet eine pauschale Ablehnung der Juden und des Judentums. Dieses Phänomen erscheint seit etwa 2500 Jahren und hat besonders die Geschichte Europas über weite Strecken begleitet. Es reicht von Verleumdung, Diskriminierung und Unterdrückung über lokale und regionale Ausgrenzung, Verfolgung und Vertreibung bis zum Genozid an etwa sechs Millionen europäischen Juden (Schoah) in der Zeit des Nationalsozialismus.“

Für die Feststellung einer „pauschalen Ablehnung der Juden und des Judentums“ ist der historische Kontext, innerhalb dessen sich Ursachen, Motivation und Folgen des Antisemitismus klären lassen, zweitrangig. Wo ist der Unterschied zwischen „Ich hasse die Juden“ und „Ich hasse die Juden, weil…“ in Bezug auf den Judenhass?

Der WDR wiederholt hier seine unzutreffende Antisemitismusauffassung, die er auch in Bezug auf das Interview mit Frau Prof. Dr. Schwarz-Friesel preisgegeben hat (siehe Punkt 5).

Historischer Kontext bei Wagner

Anschließend gibt der WDR ein Beispiel zur Berücksichtigung des historischen Kontextes über Richard Wagner:

„… etwa zum Antisemitismus Richard Wagners, der in der neueren Forschung nun gerade als nicht rassistisch bewertet wird, sondern vielmehr die „Erlösungsidee“ Wagners gegen den damals formulierten Rassegedanken einordnet.“

Zunächst steht die Feststellung, dass dieser Satzteil für sich stehen kann. Eine Umformulierung zum eigenständigen Satz „Der Antisemitismus Richard Wagners, wird in der neueren Forschung nun gerade als nicht rassistisch bewertet, sondern vielmehr die „Erlösungsidee“ Wagners gegen den damals formulierten Rassegedanken eingeordnet“ ergibt keinen Informationsverlust und keine inhaltliche Änderung.

Eine Skelettierung des Satzes ergibt: „Der Antisemitismus, der nicht als rassistisch bewertet wird, sondern die Erlösungsidee gegen den Rassegedanken einordnet.“ Wird der Satz weiter verkürzt, ergibt sich: „Der Antisemitismus, der nicht […] bewertet wird, sondern […] einordnet.“
Wie man es dreht und wendet, ob rassistisch oder Erlösungsidee, das Wort Antisemitismus will nicht verschwinden, weil sich der zweite und dritte Satzteil auf dieses Wort beziehen. Genau das war aber die Hauptaussage des vom WDR kritisierten Satzes: „Antisemitismus bei Philosophen und Schriftstellern“.

Gobineau, Wagner, Chamberlain

Zur Verbindung von Gobineau, Wagner und Houston Stewart Chamberlain siehe „Die Resonanz des gobinistischen Rassebegriffs bei Wagner und Nietzsche“ [1]. Wagner vertrat den Rassegedanken. Weiter heißt es dort:

„Es sollte nicht nur ein höher organi­siertes Individuum, sondern eine neue Spezies geschaffen werden: den „Er­löser bzw. den Gottmenschen, in dem sich die Gattung selbst sublimiere“. Wagner hat in der „Rassenmischung“ den „Gewinn einer allgemeinen moralischen Übereinstimmung“ gesehen, auf deren Basis das Kunstwerk der Zukunft ge­deihen könne.“

Das ist eine sehr schöne Darstellung der antisemitischen Forderung, dass die Juden von der Erde verschwinden müssen. Wagners Antisemitismus war auch von rassischen Überlegungen geprägt; dass er auf drastische Veränderungen seiner Welt hoffte und dabei auch eine „Lösung der Judenfrage“ bedachte, die nicht auf Mord und Totschlag beruhte, ändert nichts an seinem Antisemitismus.

Fazit

Fazit: Die Argumentation des WDR ist in sich selbst nicht schlüssig. Wagners Erlösungsidee ist in Bezug auf die „Judenfrage“ antisemitisch motiviert. Wer den auch rassisch geprägten Antisemitismus als Ursache mit der Erlösungsidee als Folge vergleicht, ist intellektuell unredlich.
Man mag darüber streiten, ob etwa Hegel in die Aufzählung der Filmemacher gehört, da gibt es den frühen und den späten; der WDR aber ist an sich selbst gescheitert. Deutlich wird erneut der Versuch, gegen die aktuelle Forschung einen vollkommen unstimmigen Antisemitismusbegriff durchzusetzen: Der WDR als Richter über und Verharmloser von Antisemitismus.

[1] Dr. Michael Lausberg: Die Resonanz des gobinistischen Rassen­begriffs bei Wagner und Nietzsche
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Judenfeindlichkeit

Fundstellen

Ausschluss auf Augenhöhe Das Verhältnis Jean-Jacques Rousseaus zum Judentum war ambivalent
Deutscher Geist und Judenhass: Judenliebe, Judenhass
Buchübersicht Ursula Homann: Bücher über judenfeindliche Tendenzen der Aufklärung
Dirk Meyfeld: Volksgeist und Judenemanzipation - Hegels Haltung zur jüdischen Emanzipation und zum Frühantisemitismus seiner Zeit, Dissertation
Richard Wagner:Das Judenthum in der Musik (1869)

aktuelle_forschung.txt · Zuletzt geändert: 2017/07/05 00:36 von engineer